Warschau Halbmarathon 26.3.2017

von Denise Kottwitz

Ein Besuch bei Freunden in Warschau stand schon lange auf dem Plan, und so nutzte ich den Halbmarathon als Anlass dort ein verlängertes Wochenende zu verbringen. Die Anmeldegebühr für Ausländer ist 40 Euro, allerdings sind nicht alle Seiten der Veranstaltungsseite auf Englisch, so dass die Anmeldung etwas kompliziert war. Auch die Vorfreude durch regelmäßige Newsletter hielt sich in Grenzen, da diese ausschließlich in Polnisch veröffentlicht wurden. Aber immerhin landete man, einmal angemeldet, in der Teilnehmerliste und es war deutlich, wo es die Startunterlagen gab. Diese waren nämlich spätestens am Vortag (keine Anmeldung am Veranstaltungstag) im zur Fußball EM 2012 neu errichteten Nationalstadion abzuholen. Alles sehr schick dort, ich erhielt einen riesigen Beutel: T-Shirt, Armlinge, Sportgetränk, diverse Müsli und Riegel - und ein Informationsheft, zweisprachig mit Englisch!

Bis zum Folgetag bleibt noch Zeit das Leben in der polnischen Hauptstadt zu entdecken. Wir schaffen es erst gegen 14.30 Uhr zum Mittagessen, da sind wir fast die ersten. Außerdem beobachte ich total geschockt, wie man am Nachbartisch (ein Mann und zwei Frauen im Rentenalter) eine große Flasche Wodka bestellt. Samstagnachmittag um drei, wo sich der gemeine Triathlet in der Regel auf seine zweite Einheit vorbereitet!

Sonntag heißt es zeitig raus, der Start ist zwar erst um zehn, aber in der Nacht wurden die Uhren umgestellt und wir wollen auch nicht zu knapp am Start sein. Es ist kalt, sehr kalt. 4 Grad! Zum Glück erhascht meine Freundin im Startbereich Daumenhoch-Handschuhe, die tatsächlich wärmen. Aber immerhin soll es trocken bleiben und Sonne ist auch vorhergesagt. Der Startbereich ist gut organisiert, von der Umkleide über Zugänge, so dass man bis zum Start in Bewegung bleiben kann, und Toiletten entlang der Aufstellung. Bei etwa 12.000 Läufern ist diese auch recht lang, ich geselle mich kurz vor dem ersten Pacemaker der 1:45 h ein.

Das Ziel des heutigen Tages ist ganz klar: Bestzeit. Über mich hinauswachsen werde ich auf Grund des frostigen und damit eingeschränkten Trainings im Februar nicht, außerdem ist es dazu heute zu kalt. Dennoch peile ich einen Schnitt zwischen 4:45 und 4:50 an, und bin optimistisch das einzuhalten. Pünktlich um zehn setzen sich die Massen in Bewegung, etwa fünf Minuten später überquere ich die Startlinie, wobei ich mir unsicher bin was die Startlinie ist - da sich Start und Ziel unterscheiden - mit etwa 30 Meter Abstand voneinander. Ich habe sofort ausreichend Platz zum Laufen, die Sportler um mich herum schlagen ein ähnliches Tempo an, also schon mal richtig eingeordnet.

So laufe ich im angepeilten Tempo, aber richtig wohl fühle ich mich nicht. Schon bei Kilometer drei zwackt es in den Unterschenkeln. Aber es ist recht unterhaltsam: von einer großen Straße geht es in den Park, es gibt trotz der Kälte reichlich jubelnde Zuschauer und musikalische Unterhaltung - vom staatlichen Polizeiorchester bis hin zum polnischen Rapper. Auch im Park, wo die Wege etwas enger sind, ist genug Platz zum Laufen. Als es wieder auf die Straße geht, sind schon acht Kilometer vorbei... und die Sonne setzt sich am Himmel durch. Ich fühle mich schlagartig besser, es war bis dato einfach zu kalt. Alsbald ist die Hälfte geschafft und es folgt der Höhepunkt des Laufes: die Überquerung der Weichsel auf Siekierkowski-Brücke, eine Schrägseilhängebrücke. Rechter Hand liegt das Nationalstadion. Die Architektur erschlägt einen! Wie klein man doch als Läufer ist.

Am Stadion gibt es Verpflegung: Wasser und Iso, Bananen und Zucker. Noch eine Kurve, 15 Kilometer sind geschafft. Ich fühle mich besser als am Beginn, und versuche noch etwas draufzulegen. Dies gelingt vom Gefühl her und im Vergleich mit meinen Mitläufern, aber die Uhr sagt etwas anderes. Aber ich lasse mich nicht verunsichern. Es geht über eine andere Brücke Richtung Ziel, allerdings doch mit etwas Anstieg. Erst auf der Zielgerade, also auf dem letzten Kilometer, gelingt es mir noch etwas das Tempo anzuziehen. Die einzige Kopfsteinpflasterpassage des gesamten Laufes ist hier zu bewältigen und schon ziemlich schmerzhaft am Ende so eines Laufes. Aber meine Uhr sagt mir eine sichere Bestzeit (netto 1:41:28), somit die Vorgaben erfüllt und ich kann den Zieleinlauf genießen.


© TriGe Sisu Berlin; 2.4.2017