Bericht Sisu Frühjahrsklassiker 19.4.2014

von Sonja und Dirk

Der Sisu-Frühjahrsklassiker fand dieses Jahr am Ostersamstag statt. Die große Sisu-Gruppe mit Sonja würde vom bekannten Treffpunkt nach Wittenberg und zurück fahren. Da Susi und Dirk zu der Zeit im brandenburgischen Mönchwinkel östlich von Berlin weilten, würden wir dies als Anlass nutzen, ebenfalls einen 200er zu fahren, und zwar ins Oderbruch und zurück. Die Sisus würden sich an diesem Tag also aus eigener Kraft ein ganzes Stück voneinander entfernen. Beide Touren starteten morgens um 8:30 Uhr bei erstaunlicher Kälte...

Die Sisu-Ausfahrt am Karsamstag nach Wittenberg hat bereits Tradition und so beschloss ich, dieses Jahr auch einmal dabei zu sein und zu testen, wie weit man es so schafft zu radeln. Die erste Hürde des relativ frühen Aufstehens an einem Samstag hatte ich gemeistert und so stand ich dann um 8:30 Uhr mit 16 anderen Sisus (neuer Rekord!) am Treffpunkt. Die Luft war noch ziemlich kühl, und die Sisus mit langen Handschuhen wurden beneidet.

 Treffpunkt Görzallee/Wupperstraße und erster Halt.

Nach einer morgendlichen Schrecksekunde (Sattelbolzen beim Verstellen gebrochen, au weia, was jetzt – Not-Transplantation vom Rennrad), gingen wir um 8:20 Uhr schließlich auf die Strecke Richtung Norden. Beim Frühstück zeigte das Thermometer noch unerfreuliche 1 Grad, bei Abfahrt waren es 3 Grad. Da hilft nur geschickt packen – bei mutmaßlich zunehmender Temperatur würden mit der Zeit warme Klamotten den Platz von aufgegessenen Vorräten einnehmen, so der Plan. Immerhin war der Wind zunächst schwach und kam aus Nordost. Im Gegensatz zur Wittenberg-Gruppe würden wir den Rückenwind am Schluss haben.

 Sisu unterwegs nach Wittenberg.

Die ersten Kilometer hielt sich die Sonne versteckt, aber als die Wolkendecke dann endlich aufriss, breitete sich fröhliche Stimmung in der Gruppe aus und auch die letzten Zehen tauten auf. Ziemlich früh noch auf der Strecke gönnte uns Christian die erste Pause, da er einen Platten zu reparieren hatte. Danach gab es allerdings keine weiteren Defekte und auch keine Stürze und das neue Rotationssystem sorgte für gute Gesprächskultur.

Die Umgegend Berlins ist zwar zunächst flach, aber Richtung Nordosten kommt man in die märkische Schweiz und damit in eine richtige Hügellandschaft. Kurz vor dem Oderbruch geht es immerhin bis auf knapp 160 Meter. Auf der B158 kam dann die lange Abfahrt durch Bad Freienwalde runter bis auf Null Meter – höher liegt das Oderbruch kaum. Der in Grenznähe dicht befahrenen Landstraße folgten wir bis zum Grenzübergang an der Hohenwutzener Oderbrücke. Dank Schengenraum gibt es auch hier keine Kontrollen mehr. Damit hatten wir nach ca. 70 km den nördlichsten Punkt der Tour erreicht. Von hier sind es mindestens 170 km mit dem Rad nach Wittenberg, wenn man beide Startpunkte mitnimmt sogar 200 km.

 Alte Oder, Grenzschild und die Oderbrücke.

Vom leichten Rückenwind geschoben kamen die 17 Sisus relativ flott in Wittenberg an und kaperten das Café am Marktplatz, während Team 2 im Oderbruch bereits wieder Richtung Süden rollte. Viele der Mitfahrer hatten die Tour schon mindestens einmal gemacht und kurz nach dem Wittenberger Ortsschild ließen sie sie auf einmal nicht mehr halten. Es kam mir vor als triebe sie nur der Gedanke an sitzen auf Stühlen und das leckere Essen an. Sie murmelten irgendwas von die letzten müssten stehen und da fuhr ich dann mal schnell hinterher. Die Wittenberger Passanten in der Fußgängerzone müssen gedacht haben wir spinnen alle. Am Café angekommen hatten dann jedoch alle genügend Platz und das große Bestellen ging los. Die Bedienung war zwar etwas überfordert mit so vielen hungrigen Gästen, brachte aber dennoch fast jedem was er wünschte. Highlight des Tages war das vegetarische Bauernfrühstück, das statt mit Schinken mit Salami serviert wurde. Und irgendwie bin ich mir immer noch nicht sicher ob die Bedienung wirklich verstanden hat, warum wir der Meinung waren Salami sei auch nicht vegetarischer als Schinken.

 Mittagspause in Wittenberg.

Wenn man im Oderbruch die Gedanken schweifen lässt, dann könnte man meinen, man sei irgendwo in Friesland hinterm Deich. Lange gerade Straßen mit sanften Kurven, Straßendörfer mit großzügig angelegten Hauptstraßen und Dorfangern, teilweise wunderschön anzusehen im Frühling. Wie es aussieht, gab es hier nie echte Platzprobleme. Es gibt praktisch keine sichtbaren Erhebungen, und manche Stellen sind laut Karte sogar unter Normal-Null. Das Land ist durchzogen von Entwässerungsgräben und alten Oder-Armen.

Nachdem wir uns gut gestärkt hatten ging es dann mit den 12 verbliebenen Sisus auf den Heimweg. Die anderen 5 stiegen in Wittenberg in den Zug und hatten somit auch immerhin mindestens 100 km auf dem Tacho zu stehen. Der Hinweg fiel mir relativ leicht und so beschloss ich dann, die Tour auch zu Ende zu fahren. Mal sehen, wie ich das so schaffen würde. Der Wind frischte auf dem Rückweg auf und kam die meiste Zeit von vorne, aber das störte die Sisus kaum, und in der Gruppe fährt es sich ja immer leichter. Außerdem wärmte die Sonne dann endlich richtig und man konnte in kurzen Sachen fahren. Mir tat dann zwar so langsam aber sicher echt der Nacken weh, aber das wurde dann auch nicht mehr schlimmer ab Kilometer 140, und die Beine waren noch fit.

Vor Seelow ging es wieder aus der weiten Tiefebene hinaus – rauf zu den Seelower Höhen, die einst traurige Berühmtheit erlangt haben. Hier fand sich bei km 130 ein schönes Restaurant, wo man in der mittlweile gut wärmende Frühlingssonne draußen speisen konnte – reichlich und dabei schön anzusehen. Die Beine fühlten sich noch erstaunlich gut an, offenbar ist Einteilung alles bei solchen Touren. Nach einem abschließenden Kaffee war auch der Kopf wieder frisch.

 Dorfanger im Oderbruch, Mittagspause in Seelow.

Auf der Rückstrecke gibt es des Öfteren die Option in den Zug nach Berlin zu steigen und so brachten wir dann auch Kerstin R. in Luckenwalde zum Bahnhof. Ich war mir inzwischen sicher, dass ich es ohne öffentliche Verkehrsmittel nach Hause schaffen würde, man spart ja auch Geld ;-). Kurz vor dem Berliner Ortsschild hatten wir die Ironman-Gesamtdistanz erreicht und die Gruppe verteilte sich nach und nach in verschiedene Berliner Richtungen. Die letzten Meter fuhr ich mit Stuart und so musste ich auch nicht über den Weg nachdenken.

 Zielankunft in Möchwinkel/Spree.

Ein Stück hinter dem Oderbruch schwenkten wir wieder Richtung Westen. Da der aufgefrischte Wind jetzt aus Nordost kam, hatten wir den Vorteil, das letzte Drittel der Tour größtenteils bei Rückenwind rollen zu können. Auf diese Weise gehen die gedachten 10 km-Markierungen schnell vorbei und sogar der Schnitt stieg nochmal deutlich. Zu Hause angekommen packten wir alle Taschen und Täschchen aus, ist erstaunlich, was dabei alles wieder zu Tage tritt.

 Berlin in Sicht.

Um 18:30 Uhr kam ich dann zu Hause an und schaffte es sogar noch, mein Fahrrad in den dritten Stock zu tragen. 237 km hatte ich auf dem Tacho zu stehen, 110 mehr als ich jemals zuvor gefahren war. Den restlichen Abend war ich dann ziemlich erschöpft, aber überglücklich, es geschafft zu haben. Vielen Dank an die Gruppe, es hat echt viel Spaß gemacht und mit so vielen Leuten vergehen die Kilometer viel schneller. Wenn ich daran denke, dass mir im Training alleine immer schon 60 km langweilig vorkommen, bin ich echt erstaunt dass mir die 230 km mit der Gruppe doch so vergleichsweise leicht gefallen sind. Und da man die Strapazen ja immer schnell vergisst und sich nur an die guten Dinge erinnert, werde ich wahrscheinlich nächstes Jahr auch wieder dabei sein.


© TriGe Sisu Berlin; 23.4.2014