Sylvesterlauf von Zossen nach Ludwigsfelde (17,8km) 31.12.2010

von Kai-Dieter Rudolf

Dieses Jahr entschloss ich mich, mal nicht den SCC-Lauf über den Teufelsberg mitzumachen, sondern etwas Neues auszuprobieren. Zufällig sah ich, dass Stuart den Sylvesterlauf von Zossen nach Ludwigsfelde mitmacht. Also meldete ich mich auch an (http://www.llv-ludwigsfelde.de).

Eigentlich wollte ich mir noch Spikes für den Lauf besorgen, um den Widrigkeiten des Winters gewappnet zu sein. Aber auf diese Idee waren schon andere gekommen: Überall ausverkauft! So begab ich mich am Vorabend in den Keller und bastelte mir selbst welche:

Ich freute mich auf den Lauf und überlegte, wie ich mir die Patente für meine Laufschuhschneeketten sichern kann. Zufrieden schlief ich ein.

Sylvestermorgen um 6:06: Der Wecker klingelt, es ist stockfinster, alle schlafen noch. Umdrehen oder Aufstehen, das ist nun die Frage. Ich besiege meinen Inneren Schweinehund und werfe die Kaffeemaschine an.

8:15: Ankunft in Zossen bei der Feuerwehr zur Startnummernausgabe, von den Sisus sind Stuart und Carl schon da und der LTC mit einer ganzen Armada von Läuferinnen und Läufern.

8:55: Noch schnell den Rucksack in den Kleidertransport werfen, Schnürsenkel prüfen und an den Start vor dem Rathaus. Etwa 100 Läufer sind dabei, vom LTC-Eliterenner bis zum 70jährigen Genussläufer.

9:00: Start zum gemütlichen Einlaufen durch den Stadtkern auf die andere Seite der Bahnlinie.

9:16: Scharfer Start! Jetzt geht es los auf die 17,8km von Zossen nach Ludwigsfelde. Ich bin gespannt, wie sich meine Schneeketten bewähren. Zunächst geht es die abgesperrte Straße entlang, glatter Asphalt ohne Schnee. Ich laufe zügig los. Alles bestens. Nach etwa 3 km geht es runter von der Straße in den Wald. Es ist wie im Märchen, mit Schnee bezuckerte Tannen, die Zweige hängen tief auf den breiten Wanderweg herunter. Es ist etwa 0 Grad, der Weg ist für Spaziergänger gut geräumt, kein Tiefschnee, teilweise Spuren vom Räumfahrzeug.

9:45: Das Laufen mit den Schneeketten ist o.k., es drückt etwas an den Füßen. Mein hohes Anfangstempo kann ich nicht halten. Das Laufen im Wald ist doch deutlich anstrengender als auf der Straße. Locker plaudernd schließen Carl und Stuart zu mir auf. Gut 327 m kann ich mithalten, dann muss ich abreißen lassen, schließlich sind es noch 12 km bis zum Ziel.

9:55: Langsam wird es anstrengend. Der Wind bläst recht kräftig von vorn. Der Wald liegt hinter uns, rechts freies Feld. Glücklicherweise kommt jetzt, bei km 8, der Getränkestützpunkt. Ich greife mir einen Becher mit warmem süßem Tee und kann einen Läufer überholen, der zum Trinken stehen geblieben ist. Im Laufen will ich einen Schluck nehmen, schütte mir aber die Hälfte ins Gesicht: Brennt schön im Auge! Jetzt weiß ich, warum der andere Läufer, der mich inzwischen wieder überhalt hat, stehen geblieben ist. Nun überholen mich einige junge Damen und ein ganzer LTC-Pulk. Machen die einen Trainingslauf oder warum sieht das so locker aus. Carl und Stuart habe ich längst aus den Augen verloren. Die Jungs haben offensichtlich gut trainiert und können ihr Tempo halten.

10:10: Zwischenhoch. Seit einiger Zeit hat mich Niemand mehr überholt. Der Abstand zum vor mir Laufenden wird nicht größer. Vielleicht geht ja doch noch was.

10:25: Die Beine werden schwer. Ich bekomme Muskelkater in den Waden und den Oberschenkeln. Blöder Schnee! Meine Füße tun weh, die Schneeketten sitzen zu eng und scheuern. Läuft da schon irgendwo das Blut raus?

10:30: Puh! Ludwigsfelde ist erreicht, noch etwa 3km bis zum Ziel. Den Läufer vor mir sehe ich nur noch auf einer langen Geraden. Ich drehe mich um: Keiner hinter mir. Bin ich der Letzte? Immerhin sind die Streckenposten noch da und weisen mir den Weg. Durchhalten! Die paar Meter schaffst Du noch! Vorfreude auf das schöne Gefühl, in der Umkleidekabine endlich die schmerzenden Füße von den blöden Schneeketten zu befreien.

10:46: Zieleinlauf! Geschafft! Die letzten Meter auf der Bahn im Stadion sind richtig angenehm. Die Zuschauer beklatschen jeden freundlich, der ins Ziel kommt. Als Geschenk gibt es eine kleine Flasche Sekt und ein Los für die Tombola. Einen Pfannkuchen und Getränke gibt es obendrein. Und das alles für 5 Euro Startgebühr. Stuart und Carl warten schon im Ziel. Sie sind gemeinsam eingelaufen und belegen den 1. und 2. Platz in ihrer Altersklasse M40. Herzlichen Glückwunsch!

11:15: Frisch geduscht gehe ich mit Carl und Stuart wieder nach draussen zur Siegerehrung. Die Beiden dürfen aufs Treppchen! Da fällt mir ein, dass mein Auto noch in Zossen steht und ich noch fürs Wochenende einkaufen muss. Es gibt zwar keinen Shuttle-Service, aber der Moderator der Veranstaltung organisiert übers Mikrofon eine Mitfahrgelegenheit für mich. Vielen Dank an die Organisatoren vom Ludwigsfelder Leichtathletik e.V. und an Sylvia und Jörg fürs Mitnehmen nach Zossen. Ich kann diesen Lauf nur wärmstens empfehlen: Gut organisiert, eine herausfordernde schöne Strecke und nette Leute!

Ergebnisliste und Fotos findet Ihr hier.

Ich wünsche allen einen guten Rutsch ins neue Jahr 2011! Euer Kai

P.S. Schneekettenversuch gescheitert! Dann schon lieber barfuss laufen!


© TriGe Sisu Berlin; 3.1.2011