Ironman 70.3 Leipzig 2026

Zwischen Paniktrainingsplan und Experiment

Drei SISUs machten sich auf den Weg zur Premiere des Ironman 70.3 Leipzig: Micha, Jörg und meine Wenigkeit.

Als die Anmeldung im vergangenen Herbst öffnete, war meine erste Reaktion allerdings nicht unbedingt sportliche Vorfreude. Als ich die Startgebühr von rund 460 Euro sah, bin ich ehrlich gesagt erst einmal fast vom Glauben abgefallen. Für eine Mitteldistanz war das für mich schon eine Hausnummer.

Eigentlich hätte ich den Startplatz sogar gerne auf das kommende Jahr verschoben. Allerdings verpasste ich die offizielle Frist Anfang Juli. Und ganz ehrlich: Die Anmeldegebühr einfach verfallen zu lassen, dafür bin ich dann doch zu geizig gewesen.

Also stand ich Ende August in Leipzig an der Startlinie. Obwohl die Voraussetzungen alles andere als optimal waren.

Mein letzter Triathlon lag mittlerweile zwei Jahre zurück. Damals war es der Ironman Kopenhagen. Seitdem hatte ich verletzungsbedingt keinen Wettkampf mehr bestritten.

Meine Laufschuhe hatte ich im wahrsten Sinne des Wortes wieder aus dem Regal geholt. Die hatten zuletzt beim Ironman Kopenhagen Einsatz gesehen. Mein Neoprenanzug übrigens auch.

Das Schwimmtraining war praktisch bis drei Wochen vor dem Wettkampf nicht existent. Irgendwann wurde mir dann klar, dass man vielleicht doch gelegentlich ins Wasser sollte, wenn demnächst 1,9 Kilometer Schwimmen auf dem Programm stehen. Also fragte ich ChatGPT nach einem „Paniktrainingsplan für Menschen, die seit zwei Jahren nicht geschwommen sind und in drei Wochen einen Ironman 70.3 absolvieren möchten“.

Offensichtlich funktionierte der Plan besser als erwartet. Mit meiner Schwimmzeit von 34 Minuten war ich jedenfalls sehr zufrieden.

Als wäre die Ausgangslage noch nicht kompliziert genug gewesen, wollte ich vier Wochen vor dem Wettkampf im Sommerurlaub meinem Sohn demonstrieren, wie man im Skatepark mit dem Roller über eine Rampe fährt.

Spoiler: Sollte man nicht machen, wenn man deutlich näher an der 50 als an der 20 ist.

Der Versuch endete mit einem Sturz auf die Hüfte, einer schmerzhaften Prellung und Flüssigkeit im Gelenk. Die Folge war eine komplette Laufpause bis unmittelbar vor den Wettkampf.

Der Ironman 70.3 Leipzig wurde damit endgültig zu einem sportlichen Experiment. Der Wettkampftag war praktisch mein erster richtiger Test, ob Laufen überhaupt wieder funktioniert.

Umso gespannter war ich auf den Tag.

Und der begann großartig.

Geschwommen wurde im Cospudener See, den die Leipziger liebevoll „Cossi“ nennen. Glasklares Wasser, Strandatmosphäre, beste Stimmung und perfektes Wetter sorgten für einen tollen Auftakt.

Auch die Radstrecke machte richtig Spaß. Sie war schnell, führte teilweise direkt am See entlang und bot viele Möglichkeiten, Tempo zu machen. Allerdings verlangten Schlaglöcher, Asphaltflicken und einige Bodenwellen immer wieder Konzentration. Komplett entspanntes Rollen war also nicht.

Das eigentliche Highlight war für mich jedoch die Laufstrecke.

Leipzig ist eine echte Sportstadt. Das spürt man spätestens dann, wenn man auf die Laufstrecke einbiegt. Gefühlt standen auf jedem Meter Zuschauer. Die Menschen feuerten jeden Athleten an, schrien die Namen von den Startnummern und sorgten für eine Stimmung, die ich in dieser Intensität selten erlebt habe.

Ehrlich gesagt kam ich gar nicht auf die Idee, längere Gehpausen einzulegen. Dafür hätten die Zuschauer wahrscheinlich gar kein Verständnis gehabt. Man wurde förmlich über die Strecke getragen.

Zum Glück meldete sich meine Hüfte während des Laufens nicht wieder zurück. Muskulär wurde es natürlich irgendwann anstrengend, aber die eigentlichen Schmerzen waren verschwunden.

Ohne nennenswertes Lauftraining waren meine Erwartungen überschaubar. Deshalb war ich unglaublich froh, den Halbmarathon in unter zwei Stunden ins Ziel zu bringen.

Noch größer war die Freude über die Endzeit.

Mein heimliches Wunschziel war eine Zeit mit einer Vier vorne. Als am Ende eine 4:59 Stunden auf der Ergebnisliste stand, war die Erleichterung entsprechend groß.

Unterwegs traf ich natürlich auch die beiden anderen SISUs. Mit Micha ging ich sogar gemeinsam ins Wasser, bevor er dann erwartungsgemäß deutlich schneller davonschwamm. Später begegnete ich ihm noch einmal auf dem Rad und anschließend auf der Laufstrecke, wo er gewohnt souverän unterwegs war. Auch Jörg war auf der Strecke immer wieder zu sehen.

Genau diese Begegnungen machen solche Veranstaltungen für mich aus. Jeder kämpft seinen eigenen Kampf, und trotzdem verbindet einen dasselbe Erlebnis.

Mein Fazit zur Premiere des Ironman 70.3 Leipzig fällt eindeutig aus: eine wunderschöne Veranstaltung, tolle Organisation, ein großartiger See, schnelle Radstrecken und eine Laufstrecke mit einer Atmosphäre, die ihresgleichen sucht.

Sollte es 2027 eine Neuauflage geben, kann ich den Wettkampf jedem SISU-Mitglied nur empfehlen.

Und falls jemand von euch zwei Jahre lang nicht schwimmen war: Drei Wochen Paniktraining scheinen zumindest besser zu funktionieren, als man denkt. 😉