Vorgeschichte:
Einmal auf einer legendären Vulkaninsel einen Triathlon bestreiten war das große Ziel, dass ich bisher auf der Langdistanz hatte, um erstmal zu proben wie es sich anfühlt (vor Hawaii), ist erstmal die Vulkaninsel der Kanaren dran. Erleichternd kommt hinzu, dass es von meinem aktuellen Wohnort Gran Canaria nur zwei Fährfahrten braucht, um relativ schnell nach Lanzarote zu kommen. So war schon im letzten Sommer klar, die Langdistanz auf Lanzarote wird der nächste Triathlon.
Die letzten Erlebnisse im Marathon beim Ironman Frankfurt 2025 haben mich dazu gebracht mich verbessern zu wollen, darum stand ebenfalls schon im Sommer fest, dass Olaf mich trainieren sollte. Damit der Marathon endlich mal nicht zu einem langen Spaziergang, sondern zu einem erfolgreichen Lauf wird.
Die Vorbereitung lief zum Großteil genau wie geplant und ich konnte am 23. Mai an der Startlinie stehen.
Schwimmen:
Beim Schwimmen war der Plan die ersten zwei bis dreihundert Meter ein wenig Druck zu machen, um sich aus der Masse etwas frei zu schwimmen und sich gute Füße zu suchen. Wie so oft kommt es anders als man denkt und ich hatte die ersten Meter das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen und musste einige Züge Brust schwimmen, um mich zu sammeln. So waren die ersten dreihundert Meter eher von der Frage geprägt „Warum mach ich das hier überhaupt?!“. Zum Glück gab es im Anschluss nach den ersten fünfhundert Metern das erste Glücksgefühl, weil man in Richtung Sonnenaufgang schwamm und unter sich die ersten Fische im Meer gesehen hat, damit war die Frage nach dem Warum schon wieder vergessen und ich konnte einen guten Rhythmus finden.
Nach ungefähr 31 Minuten war der Australian Exit erreicht, also kurz aus der horizontalen Position in die Aufrechte, dabei lief alles ganz gut und beim Aufrichten wurde mir zum Glück nicht schwindlig. Außerdem war mit dem Blick auf die Uhr auch klar, dass die erste Schwimmrunde genau nach Plan lief. In der zweiten Runde war der Weg des längsten Teilstücks in Richtung Osten schwer, weil bei jedem Orientierungsblick die Sonne genau in die Augen schien, ansonsten hat es sich noch immer gut angefühlt.
Schlussendlich war die zweite Runde ein wenig langsamer, obwohl ich vom Gefühl mehr Energie in die zweite Schwimmrunde gesteckt habe, aber im Meer ist natürlich die Strömung sicherlich nicht zu unterschätzen. Insgesamt war nach dem Schwimmen alles positiv, weil das Ziel mit einer Zeit von 1:04:48 auf jeden Fall erreicht war.
T1: Der erste Wechsel fühlte sich halbwegs schnell an, mit 4:35 Minuten war das sicherlich im Rahmen und ich konnte auch schon die Flasche im Wechselbeutel mit Iso-Getränk zur Hydrierung nutzen.

Radfahren:
Nach dem Weg aus Puerto del Carmen ging es wie häufiger an diesem Tag bergauf, der erste Anstieg von ungefähr 26 Minuten lief noch ziemlich gut, die erste Verpflegungsstation danach war gefühlt schon fast zu früh, aber trotzdem wurde direkt Wasser aufgenommen, damit gar nicht erst die Gefahr der Dehydrierung besteht. Obwohl die Temperaturen am Morgen noch nicht sehr hoch waren.
Der Plan für die Radstrecke war eigentlich einfach: nicht allzu lange über die magische Schwellengrenze kommen. Das einzige Problem war natürlich, bei jedem Anstieg ist das schwer zu begrenzen, wenn man nicht rückwärts wieder nach unten rollen will. Die Trainingseinheiten am Berg waren aber eine gute Vorbereitung, um die Anstiege zu meistern, so zumindest die Theorie. Nachdem man eine kleine Schleife Richtung Süden fuhr, ging es durch die Mondlandschaft des Timanfaya Nationalparks, die einem wieder das Gefühl gab, an einem richtig schönen Ort einen Wettkampf bestreiten zu dürfen. Nach einem kurzen Stück in Richtung Süden kam das längste Stück Richtung Norden, bei dem im Voraus die Gefahr von Wind bestand, aber bis in den Ort Teguise war kein Gegenwind zu spüren, der mich im Training häufiger zur Verzweiflung gebracht hatte, also eigentlich beste Voraussetzungen, um auch auf dem Rad einen guten Tag erwischt zu haben.
Der kurze Stich hinunter durch Teseguite und bis kurz vor Tahíche schien zuerst angenehm, weil die schnelle Abfahrt durch Teseguite es möglich machte viele andere Radler zu überholen, jedoch war der Anstieg zurück besonders wieder durch Teseguite ein erster Vorbote auf die weiteren Höhenmeter, die noch zu bewältigen waren.
Nach dem Anstieg ging es weiter Richtung Norden, um an der Radarstation vorbeizufahren und damit den längsten und herausforderndsten Anstieg der Radstrecke bewältigt zu haben. Zwar war hilfreich diesen Teil der Strecke schon einmal im Auto abgefahren zu sein, aber die Steigung auf dem Fahrrad zu erklimmen fühlt sich definitiv viel härter an. Die Landschaft wandelt sich bei der anschließenden Abfahrt schlagartig, mit dem Blick auf Haría wird die vorher trockene braune Insel grün und besonders viel Spaß machte es bei der Abfahrt nach Haría einige Radfahrer zu überholen, die sich nicht trauten die Abfahrt schnell hinunterzufahren.
Anschließend ging es weiter bergauf bis hin zum Mirador del Río dem nördlichsten Punkt der Radstrecke und damit waren die meisten Höhenmeter bewältigt. Darauf folgte eine schöne Abfahrt, die ziemlich lange an der Hauptstraße entlang Richtung Süden ging, bis man den Anstieg Richtung Teseguite wieder in Angrij nahm. Zu diesem Zeitpunkt haben die Beine sich das erste Mal etwas schwach angefühlt, obwohl der Plan alle Energie zu sich zu nehmen komplett eingehalten wurde. Durch den Ort Teguise und das lange gerade Stück ging es auch wieder zurück mit einem kleinen Stich Richtung Mancha Blanca, bei dem sich jede Steigung schwerer angefühlt hat, als ich sie noch aus dem Weg Richtung Norden in Erinnerung hatte. Im Kopf war hier schon die Diskussion im Gange, ob heute der Marathon überhaupt beendet werden kann oder, ob das die erste Langdistanz sein würde, die ich abbrechen müsste. Glücklicherweise ging es von Tegoyo bis Puerto del Carmen fast ausschließlich bergab ging.
T2: Innerhalb der Wechselzone war das Gefühl der Schwäche etwas besser, weil es sicherlich nicht an der Energie lag, weil die Verpflegung auf dem Rad gut funktioniert hatte. So habe ich aus dem zweiten Wechselbeutel erstmal wieder einen großen Schluck aus der Iso-Flasche genommen, in die Laufschuhe und es ging los auf die Laufstrecke, im Kopf lief das ganze ziemlich schnell ab, leider standen am Ende 7:23 Minuten beim zweiten Wechsel auf der Uhr, aber das Gefühl beim Lauf aus der Wechselzone war geradezu positiv im Vergleich zum Ende des Radfahrens.



Laufen:
Die ersten Kilometer wollte ich nicht allzu oft auf die Uhr sehen, um mich auf den Rhythmus beim Laufen zu konzentrieren und ein gutes Gefühl zu bekommen. Von Zeit zu Zeit war der Blick dennoch nötig, um nicht mit zu viel Tempo in den Marathon zu starten. Nach den ersten Metern war mir zumindest klar, dass ich heute auf jeden Fall ins Ziel
kommen werde und kurz von dieser Tatsache fast schon ein wenig ergrijen. In meiner Erinnerung habe ich mich gut an den Plan gehalten und hatte die ersten Kilometer ab und zu unter 5:00 Minuten pro Kilometer auf der Uhr. Es stellte sich heraus, dass ich das Tempo ein wenig zu positiv angegangen bin und die ersten 5 Kilometer mit einer Pace von 4:50 dann doch zu schnell waren. Das Gefühl war aber nach den ersten 10 Kilometern weiterhin gut und ich habe versucht weiterhin im Bereich von 5:00 Minuten pro Kilometer zu Laufen. Es half im Kopf natürlich, dass ich die Strecke von Puerto del Carmen bis Arrecife bereits im Winter abgelaufen war und daher einen ganz guten Eindruck von der Distanz hatte sowie die Strecke am Flughafen entlang mit dem Eck, ab dem der Gegenwind einen abbremst kannte. Die langen Läufe, die Olaf in den Plan geschrieben hatte, haben natürlich ihr Übriges beigetragen, sodass ich wusste: 35 km Laufen sollten kein Problem sein und den Rest würde ich auch noch ins Ziel bekommen. Ganz so positiv lief es dann leider nicht, zwar konnte bis zum Kilometer 20 noch die 5:16 Pace halten, aber danach ging es eine Runde lang mit dem Tempo und der Laune bergab. Wer aber seiner Frau auf die Aussage: „Sieht gut aus“ noch Antworten kann: „Nee, jetzt wirds gerade richtig hart“, hat ojensichtlich noch genug Luft. Damit war in der letzten Runde wieder ein wenig Hojnung vorhanden und das Ziel schon fast vor Augen.
Nach 12:01:13 Stunden und mit meinem bisher schnellsten Marathon über die Langdistanz in 3:47:34 Stunden, kam ich erschöpft aber sehr glücklich im Ziel an. Auf dem Weg zurück in die Unterkunft wurde ich noch mindestens genauso häufig gelobt und beglückwünscht wie während des Laufs, da die Strecke an der Strandpromenade von Puerto del Carmen entlang verläuft, sind viele Touristen aus aller Welt (hauptsächlich Briten) vor Ort und man wird wirklich für seine Leistung gefeiert und kann nahezu an der ganzen Laufstrecke damit rechnen, von vielen Leuten begeistert angefeuert zu werden.
Die Langdistanz in Lanzarote ist wirklich für alle zu empfehlen, die eine wunderschöne Atmosphäre, eine große Herausforderung und ein frühes Rennen im Jahr suchen, um sich einer Langdistanz zu stellen.
Abschließend ein großes Dankeschön an Olaf für die unglaublich gute Vorbereitung sowie flexible Trainingsplanung nach Lebensmittelvergiftungen und Ausfällen nach Muskelzerrungen. Sowie an meine Merle für deine Geduld und die unendliche Unterstützung, dieses zeitaufwändige Hobby betreiben zu dürfen.

