Radeln trotz Corona – eine Art Blog

von Dirk Bettge

(ursprünglich auf Facebook gepostet – hier nun zum barrierefreien Nachlesen)


4.6.2020

Irgendwie haben sich die letzten Wochen so vorbeigeschlichen, das Zeitgefühl ist uns ein wenig abhanden gekommen. Ist ja auch klar: Den Triathleten fehlen die saisonalen Höhepunkte, die sonst das Leben takten und strukturieren. Gerade hat der Team-Tri nicht stattgefunden, und das nächste lokale Großereignis, das ausfallen wird, ist der Spreewald-Tri, zu dem Sisu bereits seit Dezember in Klassenstärke angemeldet war. Nach 20 Teilnahmen in ununterbrochener Reihung werden wir diesen Juni erstmals nicht zum Briesener See runterfahren. Die letzten bislang noch nicht abgesagten Wettkämpfe mit Terminen bis Ende August streichen gerade die Segel, darunter der Helenesee-Tri und der Bornsdorf-Tri, bei dem wir dieses Jahr unsere Vereinsmeisterschaft abhalten wollten. Auch BerlinMan und Kallinchen sind längst abgesagt.

Veranstalter mit Terminen im September hoffen weiterhin, und einige eher kommerziell ausgerichtete Veranstalter versuchen, ihre Events in den September zu verschieben. Ob das funktioniert, wird sich zeigen, denn die Tatsache, dass nach August größere Veranstaltungen nicht mehr generell verboten sind, heißt noch lange nicht, dass sie genehmigt werden. Dafür haben nämlich derzeit die Gesundheitsämter das letzte Wort, und die achten z.B. auf Abstandsregeln, die ja weiterhin gelten. Niemand, der etwas zu entscheiden hat, wird riskieren wollen, dass nach einer Sportveranstaltung plötzlich neue Fälle vorliegen, Kontaktpersonen nachverfolgt und Schulen geschlossen werden müssen, wie jetzt gerade in Göttingen passiert. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass z.B. am 5.9. mehrere Großveranstaltungen in mehreren Städten gleichzeitig stattfinden werden, aber ich mag mich irren.

Doch eigentlich wollte ich wieder vom Radfahren berichten. Am Schönefelder Flugfeld (die Route steht jetzt öfter auf dem Menu) blühen derzeit Raps und Mohn miteinander um die Wette – sehr prachtvoll. Auch die Freunde des sozialistischen Motorrads waren unterwegs (stilecht mit VoPo in Uniform am Ende des Zuges) und verbreiteten den charakteristischen Duft von Freiheit im Zweiertakt.

Dank GPS-Navi hatte ich flugs die Standardrunde so geändert, dass ein paar Straßen dabei waren, die uns komplett unbekannt vorkamen, obwohl die Runde insgesamt ganz gewöhnlich erschien. So lud uns der Dorfanger von Dabendorf wie bestellt zur ausführlichen Halbzeitpause ein. Auf dem Spielplatz am Ende des Angers war nichts los, so dass uns Bank und Hängematte zur freien Verfügung standen – die Stelle kann man sich gleich mal merken.


30.5.2020

Privater Wettkampfsport kommt offenbar in Mode. Nach Denise' Marathon und Triathlon am Partwitzer See haben wir einen familieninternen Duathlon abgehalten (Sonja, Domenic und ich). Mit Schwimmen ist es ja noch nicht so weit her, außerdem wollten wir nicht auch noch die Berliner Strände überbevölkern, deshalb haben wir uns für die Duathlon-Variante entschieden mit 5 km Laufen, 40 km Rad und nochmal 5 km Laufen, Wechselgarten bei Susi und mir im Abstellraum.

Penible Planung in Komoot ergab, dass unsere bekannte Laufrunde durch den Stadtpark Wilmersdorf mit Kurve an der Uhlandstraße gut 5,5 km lang ist, das sollte früh um 9 Uhr noch gehen. Dann gut 43 km Rad über Auerbachtunnel, Waldschulallee, Postfenn und Havelchaussee bis runter zur Krone, dort Wende und das ganze zurück. Abschließend ein reines Straßenläufchen von 5,0 km rüber zum Grazer Damm, den runter und dann Wende.

Wir wollten bis zum zweiten Wechsel zusammen bleiben, dann nochmal sehen was geht. So habe ich den ersten Lauf gepaced (musste mich schon echt reinhängen, um die Jugend nicht zu langweilen). Nach einem ruhigen Wechsel machten wir uns dann ohne Hektik auf Richtung Havelchaussee: Schnell fahren bei freier Strecke und so langsam wie nötig bei Verkehr und Ampeln. Ab dem Postfenn konnten wir dann der Aerodynamik und dem Renntempo frönen, und auf dem Rad fährt mir bislang noch niemand weg. Wettkampfluft im Langdistanzeinteiler, das hat doch immer was!

Zum zweiten Wechsel sprangen wir stilecht vom Rad (sogar das Aufspringen am Anfang ging noch unfallfrei). Da Sonja noch Sachen wechseln musste, bekamen Domenic und ich großzügig etwas Vorsprung. Der nahm jedenfalls die Beine in die Hand (nicht ganz wörtlich) und verschwand recht flott aus meinem Sichtfeld. Meine Beine waren wie immer etwas fest und von der Lunge wollen wir nicht reden. Nach einer Weile kam Sonja vorbei und machte sich auf die Verfolgung. Aber wie es so ist, niemand wird gern eingeholt, und so konnte Domenic tatsächlich ein paar Sekunden des gnädig zugestandenen Vorsprungs ins Ziel retten.

Als ich schließlich ankam, stand auch schon Susi da, die von ihrer Radrunde zurück war, die konnte dann gleich die Siegesfotos machen. So schöne Medaillien wie Denise haben wir zwar nicht gebastelt, aber so ein quasi-Wettkampf macht Spaß und spornt doch ungemein an, auch wenn es um nichts geht. Heute gibt's auch keine Corona-Kommentare - freut euch einfach über das schöne Pfingstwochenende!


22.5.2020

Der "Herrentag" war in unseren Augen immer etwas leicht befremdliches: bierselige Radfahrer mit Zweigen am Lenker, das Hängerchen voll mit Nachschub, unkoordinierte Autofahrer (vermutlich auch bierselig), die irgendwo in den Graben fahren – irgendwann hatten wir beschlossen, dass man am Himmelfahrtstag aus Sicherheitsgründen besser nicht Radfahren, sondern höchstens Spazieren geht.

Aber klar – ihr wisst schon, was jetzt kommt – dieses Jahr ist halt alles anders, und der Herrentag war daher ein erfreulich friedlicher Feiertag, an dem eher die Familienausflüge dominierten. Es war also einiges los, aber keine Massen unterwegs, alles sehr zivilisiert. Nachdem ich am Anfang des Lockdowns den Eindruck hatte, dass einige die leeren Straßen zum Rasen nutzen, so hat sich auch dies wieder gegeben.

Wie immer ist etwas weiter draußen eh nichts los. Ich taste mich langsam an den Sisu-Klassiker nach Wittenberg ran, habe heute aber über Felgentreu abgekürzt, was für eine schöne Ortsbezeichnung, da fühlt sich der Rennradfahrer doch gleich wilkommen. Vielleicht kann man ja herausfinden, welche Felgen gemeint waren, vermutlich bereits in vor-velophiler Zeit im alten Preußen. An den riesigen Spargelfelden nördlich von Luckenwalde war offenbar auch Brückentag. Wie diese radtechnisch aufgepeppte Erntemaschine funktioniert, hat sich mir nicht auf den ersten Blick erschlossen, war auch niemand da zum Fragen.

Und sonst? Alles macht irgendwie wieder auf (was schön ist), aber alles unter erschwerten Bedingungen (was ja logisch ist), so dass die ursprünglichen Kapazitäten wovon-auch-immer noch lange nicht wieder erreicht werden. Das gilt für unser neues Lauftraining auf dem Platz, für die Restaurants und Biergärten und leider auch für die öffentlichen und wilden Badestellen, es gab schon Ärger.

Klar, die Ansteckungen pro Tag sind in Berlin und Brandenburg im Vergleich zur Bevölkerung derzeit winzig (ohne Dunkelziffer), aber es gibt immer noch welche, und man weiß nicht vorher wo genau. Na mal sehen, wir tasten uns voran und gehen ansonsten weiter Radfahren.


17.5.2020

Auf unserer Reise in die jüngere Vergangenheit haben wir am Güterfelder Haussee spontan ein wenig in die Abendsonne geschaut. Die Sandburg war schon da, sehr kunstvoll, und außerdem ist die kleine Insel in der Mitte des Sees weg, wo die Schwäne gewohnt hatten. Als wir 2009 hier das erste Mal den Sisu-Sprint ausgerichtet haben, musste die Insel umrundet werden. Der See ist so klein, dass man selbst beim Sprint zwei Runden absolvieren musste, um auf die 750 Meter zu kommen (s. Bericht).

Es war eine schöne Location, aber leider, was die Teilnehmerzahl betrifft, nicht wirklich ausbaufähig. Für mehr Teilnehmer wäre eine olympische Distanz nötig gewesen, das ließ sich dort aber kaum realisieren. Dann wurde die neue Umgehungsstraße, die jetzige L40, begonnen, so dass wir für 2010 und absehbar für die nächsten Jahre ohnehin keine Streckengenehmigung bekamen. So mussten wir nach einem Jahr nach Siethen umziehen. Nach einer Pause 2011 sind wir dann beim Kallinchen-Tri dazugestoßen, denn die waren auch gerade im Umbruch.

Den Kallinchen-Tri haben wir nun bereits 8 Mal mit organisiert, er ist uns ans Herz gewachsen. Umso mehr schmerzt uns die Absage dieses Jahr, aber nach langer und intensiver Diskussion glauben wir, dass es verantwortungsvoll ist, dieses Jahr ohne Wettkampf verstreichen zu lassen und dann für 2021 neu zu planen.

Die Wahrheit ist – wir wissen nicht, wie die Situation Ende dieses Jahres sein wird, niemand weiß das derzeit. Die Epidemie hat uns schon einige Male Überraschungen gebracht, so dass wir unsere Meinung ändern mussten. Vielleicht läuft sich das ganze von selbst tot, dann wären wir zu vorsichtig gewesen, aber danach sieht es bislang nicht aus. Wahrscheinlicher ist wohl, dass wir uns so lange mit kalkuliertem Risiko durchlavieren, bis ein Impfstoff verfügbar oder absehbar in Sicht ist. Dieses große Rennen, dessen Gewinner richtig Geld verdienen werden, läuft auf Hochtouren.

Für den Winterduathlon 2021 wird das wohl zu spät kommen, aber der Winterduathlon ist klein genug, dass wir uns ein angepasstes Durchführungskonzept vorstellen können. Kallinchen 2021 ist dann spät genug, dass es hinkommen könnte, aber das ist jetzt nur Spekulation, Ende des Jahres werden wir mehr wissen.


9.5.2020

Heute haben ich und sicherlich viele andere Läufer und laufende Triathleten überraschend Post vom Lauf der Sympathie erhalten, der bekanntermaßen am 15. März nicht stattgefunden hat. Im Umschlag steckte ein Dankesschreiben, eine Spendenbescheinigung über 14 Euro und – die Finishermedaillie.

Es ist das erste Mal in meiner sportlichen Karriere, dass es eine Medaillie ohne Leistung gibt, doch ich finde, es ist ein netter Zug. Spontan hatte ich nach der (zu dem Zeitpunkt) recht kurzfristigen, aber bereits erwartbaren Absage mein Startgeld als Spende deklariert. Offenbar haben dies viele Teilnehmer getan, und die ausrichtenden Vereine sind recht froh darüber, weil viele Ausgaben bereits getätigt waren. Es ist auch das erste Mal, das ich über so einen geringen Betrag eine offizielle Spendenbescheingung erhalte, die ich dann 2021 beim Finanzamt einreichen werde.

Dies war einer der ersten abgesagten Wettkämpfe, als letztes hatte am 29.2. die Mountain-Challenge noch stattgefunden, eine Woche zuvor unser Winter-Duathlon. Letztlich haben wir Glück gehabt, dass dieser noch ausgerichtet werden konnte, denn zu diesem Zeitpunkt bekamen wir schon ein etwas mieses Gefühl, was da auf uns zurollt. Wir wollten es zu diesem Zeitpunkt noch nicht wahrhaben. Stattdessen haben wir mit fasziniertem Grusel nach China geschaut, aber haben nicht realisieren wollen, dass es bei uns genauso wird.

Nun – 2 Monate später – haben wir wohl tatsächlich die erste Phase der Pandemie in Bezug auf die Gesundheit halbwegs erfolgreich überstanden und werden nun ausloten, inwieweit wir unsere sportlichen Aktivitäten wieder ausweiten können. Ein – sehr eingeschränkter – Trainingsbetrieb dürfte demnächst wieder möglich sein, Wettkämpfe eher nicht. Wir werden berichten.


4.5.2020

Jetzt ist es passiert – wir sind das erste Mal dieses Jahr auf einer Ausfahrt richtig nass geworden, wurde ja auch mal Zeit. Unberechenbare Schauer und sogar leichte Gewitter waren unterwegs, da hilft nur Regenjacke drüber und durch. Aber da waren wir an den historischen Punkten bereits durch.

In Schönefeld, ihr wisst schon wo, liegt so ein riesiges Gelände mit Klotzbauten, einem Turm und ganz vielen Parkplätzen, da stehen jetzt ganz viele Flugzeuge rum. Dabei dachte ich, die Bilder in Zeitung und Tagesschau stammten aus Frankfurt/M, stimmt aber gar nicht. Die Flugzeuge sind sehr wertvoll, deshalb hat man einen stabilen Zaun gesetzt. Es ist sogar noch viel Fläche frei, die Fliegerei wird also auch in späteren Jahrzehnten dort locker unterschlüpfen können, gut geplant.

Da sind wir auch schon bei der nächsten Begegnung mit der nicht so fernen Vergangenheit: An besagtem Gelände führt die lange Gerade der Brandenburger Zeitfahrmeisterschaften vorbei, die genau an diesem Tag stattgefunden hätten. Die Rücktour in dieser Richtung, dann über Tollkrug, vorbei an den Rapsfeldern nach Brusendorf. Dabei könnte man Einzelzeitfahren ja locker mit Abstandsregeln durchführen: Unterlagen online, Nummer selbst ausdrucken und im Minutenabstand an den Start, auf der Strecke überholen nach Triathlon-Sportordnung. Da sehe ich in der Tat einen ersten ziemlich normalen Wettkampf in 2021.

Etwas weiter im Süden kam dann der Motzensee, den wir umrundet haben, um uns schließlich auf einer netten Bank am Freibad Kallinchen niederzulassen und die in Alufolie verwahrten Brote zu essen, dazu etwas Leitungswasser aus der Radflasche, gut geschüttelt. Es ist ja wirklich noch nicht Sommer, schon klar, aber es war trotzdem besonders leer, wenn man die Szenerie sonst vom Triathlon her kennt.

Nach dem Mellensee kamen dann die Schauer, es gab aber auch nichts historisches mehr, außer dass sonst die Sisu-Gruppe unterwegs gewesen wäre. Noch eine Banane und ein paar selbstgemachte Kekse bei Ludwigsfelde und schon ging's stracks mit nassen Füßen wieder Richtung Norden.


1.5.2020

Zum 1. Mai fassen wir wieder ein wenig Hoffnung – der Regen ist wieder da, aber vor allem darf selbst der Sport ganz langsam wieder hoffen, seinen Platz im öffentlichen Leben einzunehmen. Bis zu einem normalen Trainingsbetrieb und Wettkämpfen, wie wir sie kennen und lieben, ist es aber noch ein ganzes Stück hin.

Wir haben uns an einige Komplikationen im Leben gewöhnt, aber das Virus ist nicht aus der Welt, und ein massenhaft verfügbarer Impfstoff ist dieses Jahr sicherlich noch nicht in Sicht. Die Alternative – komplette Durchseuchung – will wohl doch niemand ausprobieren, und ich muss sagen - ich auch nicht.

Das heißt, dass wir weiterhin Abstand halten müssen. Damit ist Gruppentraining mit Trainer im bekannten Modus auf recht lange Sicht noch nicht wieder möglich. Aktuell geht nur Personal Training außerhalb von Sportanlagen. Individuell darf man auch wieder auf Sportplätze, aber mit den üblichen Abstandsregeln. Im Mai werden möglicherweise kleine Gruppen wieder zugelassen – wir werden das beobachten und als Verein dann neu planen, in welcher Form wir Training anbieten können.

Ein paar Veranstalter hoffen wohl noch auf Wettkämpfe ab September, sei es wie geplant oder verlegt, aber da bin ich sehr skeptisch. Mit voller Teilnehmerzahl wird das kaum gehen, mit Zuschauern erst recht nicht, das ist nicht wirklich kontrollierbar. Im Oktober werden dann die Seen kalt, aber es wird sich nichts geändert haben. Das ist die harte Realität.

Macht trotzdem das beste daraus! Wir werden wieder Triathlon machen, da bin ich sicher. Arbeitet an euren Grundlagen, feilt an eurer Rad-/Lauf-Technik und rafft euch hin und wieder zur Athletik auf. Und gießt regelmäßig die Blumen!


23.4.2020

Wo bleibt eigentlich das gewohnte Aprilwetter? Könnt ihr euch noch erinnern, wie das geht? Unplanbare Regenschauer, gern mal ein paar Schneeflocken und mit viel Glück auch ein fast kompletter Sonnentag, selten mal warm. Naja, des Radlers Glück ist für Wald und Acker nicht so toll, mal sehen, was der restliche Frühling noch bringt.

Jedenfalls – wenn man nichts abends noch zum Schwimmen muss, kann man jetzt dank Sommerzeit in der Woche die Radausfahrt so planen, dass man mit den letzten Sonnenstrahlen wieder zu Hause ist. Das tut der Seele gut, und die Rad-Form steigt an.

Eigentlich würde jetzt die Wettkampfsaison so richtig beginnen mit den Duathlons, erst dem Ruppiner und in zwei Wochen der Spreewald-Duathlon. Dazwischen hatten wir uns auf die Brandenburger Zeitfahrmeisterschaften gefreut, an denen wir letztes Jahr erstmals teilgenommen hatten.

Wir werden sehen, wie sich alles entwickelt. Die Abiturienten müssen jetzt doch ran, dann MSA und anschließend die weiteren Schüler. Die meisten Läden haben wieder offen, und es gibt sogar wieder Klopapier. Aber was passiert, wenn die Ansteckungswelle wieder losgeht – bleibt es beherrschbar oder müssen wir wieder alles dicht machen? Wir werden es erfahren, denn wir führen gerade ein Experiment mit der Grundgesamtheit durch. Bleibt vorsichtig und zurückhaltend, dann funktioniert es vielleicht!


18.4.2020

Auch eine Woche nach Ostern (und fünf Wochen nach dem letzten Schwimmtraining) verlockt das tolle Frühlingswetter zu ausgedehnten Ausfahrten. Dieser April wird uns in Erinnerung bleiben, nun auch wegen der rekordverdächtig geringen Regenmenge.

Nunmehr deutlich sichtbar haben die allgemeinen Unannehmlichkeiten einen deutlichen Effekt auf die Ansteckungswelle: Mittlerweile werden in Berlin pro Tag mehr Leute wieder gesund als sich anstecken, d.h. wir haben einen Wendepunkt erwirkt! Wenn wir so weitermachen, dann ebbt die Welle langsam ab – aber können wir unabsehbar so weitermachen? Da das nicht der Fall ist, schauen wir jetzt, wie weit wir zu mehr öffentlichem Leben zurückkehren können, ohne dass wieder exponentielles Wachstum einsetzt. Leider wird der organisierte Sport dabei nicht sehr weit vorn auf der Liste stehen.

Großveranstaltungen sind jetzt bis Ende August untersagt, d.h. auch der Kallinchen-Triathlon wird nicht wie geplant stattfinden. Eine ausführliche Information und Regelung für die Teilnehmer ist in Arbeit. Realistisch gesehen wird sich bis Ende August die Lage nicht grundlegend geändert haben – geringe Durchseuchung der Bevölkerung und noch kein Impfstoff. 700 Teilnehmer in Kallinchen in der Wechselzone? Die hiesige Triathlon-Saison ist daher de facto gelaufen. Was das international heißt, d.h. wann und wie z.B. Ironman-Wettkämpfe wieder stattinden können, ist derzeit unklar. Wie es aussieht, gewöhnen wir uns immer noch ganz langsam an die vollen Auswirkungen der Epedemie. Dabei will ich es jetzt erstmal belassen...

Ach ja: die Bilder stammen von meiner letzten Ausfahrt über die Ketziner Fähre. Ich war wirklich allein mit dem Kapitän!


11.4.2020

Ostern steht vor der Tür, und es sind mittlerweile 4 Wochen ohne Vereins-Schwimmtraining herum (abgesehen von den anderen ungewöhnlichen Dingen). Irgendwie kann ich bislang auch ohne Schwimmen ganz gut leben, aber was fehlt, das ist die Kommunikation mit den anderen Sisus beim gemeinsamen Training, sei es im Becken, auf dem Laufplatz oder auf der gemeinsamen Radausfahrt. Ihr fehlt mir! Jeder macht so gut es eben geht weiter, aber die sportlichen Ziele verschwinden in immer weiterer Ferne. Es ist ein wenig wie in einem bösen Traum oder bei Franz Kafka: Immer wenn man etwas zum Greifen nah glaubt, entschwindet es wieder unerreichbar.

Die ITU hat alle Wettkämpfe bis Ende Juni abgesagt, die DTU übernimmt dies im Prinzip. Vor ein paar Tagen wurde auch unsere Regionalliga Ost komplett abgesagt, was ich vernünftig finde. Die meisten Veranstalter in Berlin und Brandenburg warten immer noch mit konkreten Absagen – es wird hierfür eine gemeinsame offizielle Ansage geben müssen.

Auch über unseren Kallinchen-Triathlon Ende August denken wir natürlich nach. Zur Zeit können wir uns 700 Triathleten zusammen in der Wechselzone nicht so richtig vorstellen. Über eine konkrete Regelung informieren wir, sobald wir eine haben oder es eine offizielle Regelung der BTU gibt.

Derweil erfreuen wir uns des anhaltend schönen Wetters, denn je weiter man sich per Rad von Berlin entfenrt, desto schöner und ruhiger wird es (s. Bilder). Selbstversorgung ist angesagt, nur gut das die Taschen der aktuellen Trikots so schön dehnbar sind. Die Bäckerei in Blankensee macht Stehverkauf vor dem Hof, aber besser wäre es, wenn nicht alle auf einmal da herumstehen.

Am heutigen Ostersamstag hätte der Sisu-Klassiker (in großer Gruppe nach Wittenberg und zurück) stattgefunden, auch der fällt aus, vielleicht sind ja einzelne Sisus unterwegs.

Die Osterfeuer in Brandenburg fallen dieses Jahr sogar doppelt aus: erstens wegen Corona, außerdem habe wir schon wieder Waldbrandstufe 4. Na schön, dann machen wir uns einen ruhigen Abend und suchen am Sonntag Eier im Wohnzimmer und auf dem Balkon.

So, das war eine lange Litanei... Trotzdem wünschen wir allen Sisus und allen Lesern ein schönes Osterfest!


8.4.2020

So kann das Wetter bleiben: kurze Sachen ohne zu schwitzen, Sonne und kein Wind. Und eine Pause an alter Wirkungsstätte - erkennt ihr es? Es ist jetzt 10 Jahre her. Dieser Strand ist natürlich gesperrt, aber wie man hört, waren schon die ersten Sisus woanders im See unterwegs, oha!

 


2.4.2020

Nun ist das letzte Schwimmtraining drei Wochen her, das Leben hat sich für die meisten Menschen deutlich entschleunigt, einige (mich eingeschlossen) arbeiten fast normal, einige sind besonders gefordert oder müssen ihr Kinder beschäftigen. Insgesamt läuft aber wenig, die angestrebten Klimaziele werden wir dieses Jahr vermutlich locker einhalten.

Wie es aussieht steigt das Verdoppelungsintervall der Infizierten-Zahl langsam an, mittlerweile von ca. 3 Tagen auf jetzt 6 Tage (Quelle: rbb24.de), d.h. die Kurve hat sich tatsächlich abgeflacht dank unser aller Bemühungen. Das sieht nicht so schlecht aus, obwohl es natürlich Unsicherheiten gibt. z.B. ist die Dunkelziffer und deren Veränderung nicht wirkich bekannt. Leider wird das Osterfest als Familienfeier trotzdem weitgehend flachfallen. Wir werden eine Menge nachzuholen haben.

Wie schon in den vorigen Wochen war das Wetter schön, wenn auch noch kühl, so habe ich voller Vorfreude die Zeitfahrmaschine rausgeholt und die neuen Laufräder eingeweiht. Deshalb machen wir doch Triathlon – fliegen auf Höhe Null. Das erste Mal Aeroposition ist immer ungewohnt (Mann ist das tief und schmal), aber nach ein paar Kilometern läuft es, die Lockerheit kommt wieder, nur die Beine kurbeln. Nach böigem Gegenwind Richtung Süden kommt sogar die Sonne raus und die Laufräder surren leise zurück Richtung Stadt. Dort fällt auf, dass viele Menschen jetzt Joggen und Radfahren – das ist doch schön!


26.3.2020

Mittlerweile ist das letzte Schwimmtraining schon zwei Wochen her. Langsam werden wir wieder zu Duathleten. Hätte es vor Erfindung des Schwimmbads schon Triathon gegeben, wäre das im Frühjahr wohl immer so gewesen, im Grunde also ein natürlicher Zustand, macht euch also nichts draus.

Trotz konkreterer Regeln zur Verhinderung von Ansteckungen (eine Ausgangssperre wurde damit formal verhindert) dürfen wir weiterhin draußen Laufen und Radfahren, allerdings maximal zu zweit. So schön die Sache mit dem Windschatten auch ist, lasst es derzeit lieber. Jetzt ist auch Olympia abgesagt, und uns schwant, dass die Sommersaison vielleicht ohne Wettkämpfe zu Ende gehen könnte.

Macht also das beste draus! Wegen der Spazierwut der Berliner ist der Grunewald fürs Mountainbiken eh nicht mehr richtig gemütlich. Sogar die Wildschweine sind tagsüber irgendwie nervös statt zu schlafen, auf unserer letzten Geländefahrt am Samstag wurde die Website von einer lossprintenden Wildsau umgerannt, auch mal was neues. Das Schwein hatte wohl die Geschwindigkeit falsch eingeschätzt und statt hinter mir durchzuschlüpfen offenbar mit der Schnauze genau die Bremsscheibe getroffen, jedenfalls war die verbogen und Wildschweinblut am Rad. Die Rippenprellung (meine) wird langsam wieder besser.

Also doch endgültig aufs Rennrad umsteigen. Die Brandenburger Landstraßen sind nachmittags übrigens deutlich leerer als die Havelchaussee und die Krone (s.o.), fahrt also lieber raus aufs Land. Ab Sonntag ist wieder Sommerzeit (das findet trotz Corona statt), das gibt auf einen Schlag ca. 30 Rennradkilometer mehr bis zur Dämmerung.


20.3.2020

Seit einer Woche sind die Sportanlagen geschlossen, und weitere Schutzmaßnahmen kündigen sich an. Bislang ist Freiluftsport einzeln oder zu zweit nicht untersagt, aber das mag sich ändern. Haltet euch an die Regeln und fahrt nicht in größeren Gruppen.

Langsam sollten wir uns daran gewöhnen, dass die Wettkampfsaison nicht nach den Osterferien einfach wieder aufgenommen wird. Zu diesem Zeitpunkt wird man wohl erst absehen können, wie steil und hoch die Ansteckungskurve wirklich verläuft und wie lange die ganze Sache noch dauern wird. Die ersten Wettkämpfe für Mai sind abgesagt, weitere werden folgen, Olympia wackelt auch schon. Bis wir den normalen Betrieb wieder aufnehmen, wird die Saison wahrscheinlich vorbei sein.

Daher denke Ich, es bringt nichts, verlorenen Trainingskilometern nachzutrauern und zu versuchen, den Trainingsumfang verbissen voll aufrecht zu erhalten. Wir alle sind Hobbysportler, Amateure im besten Sinn. Genießt einfach mal die ungewöhnliche Ruhe und gebt dem Reflex nach, nur auf dem Sofa zu sitzen. Es ist erstaunlich, welche Zeitreserven frei werden, wenn man nur nach Wohlgefühl trainiert.

Manche digitalen Möglichkeiten ermöglichen Indoor-Sport in virtueller Gesellschaft oder ganz simpel face-to-face per Skype (s. Bild). Probiert Übungen aus, zu denen ihr sonst nie Lust hattet, auch das bringt uns weiter und entwickelt Fähigkeiten, die vielleicht ab der nächsten Saison nutzen.


15.3.2020

Bei aller Ungewissheit konnten wir heute in Brandenburg eine sonnige Rennradrunde genießen. Einzeln und in kleinen Grüppchen war einiges los auf den Straßen, wohingegen der Autoverkehr eher mäßig ist.

Wer weiß, was die kommende Woche noch bringt – hoffen wir, dass die Ansteckungskurve halbwegs flach bleibt. Helft mit und verhaltet euch kontrolliert.

Unsere Triathleten auf Mallorca mussten alles Training einstellen (Spanien hat landesweit eine Ausgangssperre verhängt), müssen auf ihren Zimmern bleiben und werden versuchen, vorzeitig wieder nach Hause zu kommen.


14.3.2020

Tag eins der allgemeinen Schließung: Herrliches Sonnenwetter, alle Leute gehen spazieren, am Rad-Treffpunkt um 10 war die Website allein. Es war eine schöne Wannsee-Runde, während viele schon aufs Rennrad gestiegen sind. Gruß auch an die Vereinskollegen auf Mallorca – fahrt schön und alles Gute weiterhin!


13.3.2020 abends

Die offiziellen Schließungen aufgrund Corona haben uns eingeholt: Ab morgen, 14.3. sind alle Bäder geschlossen und ab kommende Woche auch alle sonstigen Sportanlagen. Damit fällt das gesamte Vereinstraining ab sofort auf unbestimmte Zeit aus. Wir informieren euch, wenn sich die Lage ändert.

Privates Lauf- oder Radtraining einzelner Sportler ist nicht verboten, die Seen sind noch etwas kühl, viel Erfolg!


13.3.2020 nachmittags

Aufgrund der aktuellen Lage bzgl. der Verbreitung des Coronavirus haben wir als Sisu-Vorstand entschieden, nicht in einer abwartenden Haltung zu verbleiben, sondern entsprechend unserer Verantwortung proaktiv sämtliche Trainingsangebote in geschlossenen Hallen bis auf Weiteres auszusetzen. Dies betrifft alle Schwimmzeiten im Ankogel- und Götzbad sowie die Laufzeiten in der Harbighalle.

Das Lauftraining auf dem Domenicussportplatz kann weiter durchgeführt werden. Wir werden versuchen, bereits ab kommenden Dienstag, den 17.3. auf den Sportplatz auszuweichen.

 


© TriGe Sisu Berlin; 2020